*1984 in Heidelberg

 

Studium

 

2005 - 2009 Pädagogische Hochschule Heidelberg, Kunst, Physik, Mathematik auf Realschullehramt

 

2009 - 2015 Kunstakademie Karlsruhe, Klasse Prof. Silvia Bächli, Malerei und Grafik (Diplom)

 

2015 - 2016 Meisterschüerin bei Prof. Silvia Bächli und Michel Gholam

 

Ausstellungen (Auswahl)

 

2016 TOP 16, Kunstverein Mannheim

Deltabeben, Kunsthalle Mannheim

Atelier und Künstler, Kommandantenhaus Dilsberg

 

2015 Diplomrundgang, Kunstakademie Karlsruhe

 

2014 Kunst im Knast, ehemalige Jugendarrestanstalt Wiesloch

hin und weg, Pädagogische Hochschule Heidelberg

Staubfänger, Kanzlei Tiefenbacher, Heidelberg

 

2013 Kunstankäufe der Stadt Heidelberg

NESTHOCKER, Kunstakademie Karlsruhe

 

2012 NATUR – MENSCH, Naturpark Harz, St. Andreasberg

Jahresausstellung der Kunstakademie Karlsruhe

 

 

Künstlerische Arbeit

 

Meine künstlerische Arbeit pendelt zwischen dem simulieren haptischer Oberflächen und dem Arbeiten mit faktisch vorhandenem Material. Es geht bei meinen Arbeiten über das Sehen hinaus um eine körperliche Wahrnehmung. Es entstehen Zeichnungen, die durch eine bestimmte Struktur in der Vorstellung ein Material entstehen lassen. Das Bedürfnis des "Anfassen-Wollens", um eine vermutete Struktur zu überprüfen, soll geweckt werden, wird aber nicht erfüllt, da die Haptik der Oberfläche nicht faktisch erfühlbar, sondern rein optischer Natur ist. Der zweite Aspekt ist das Arbeiten mit realem Material, mit Flusen aus dem Wäschetrockner oder lackierten Dachlatten. Die physische Beschaffenheit des Materials ist ausschlaggebend für die Charakterisierung. Das Material ist nicht mehr lediglich Medium der Form, sondern die Form ist das Resultat der Materialeigenschaften, wie beispielsweise bei der Arbeit Nest.

 

Bestimmendes Rohmaterial der Arbeit sind Flusen aus Wäschetrocknersieben. Dieses Abfallmaterial wird durch künstlerische Verarbeitung seiner Trivialität enthoben und in etwas neues umgewandelt. Die Flusen sind eine Art Bedeutungsträger, das Ausgeschiedene als Speicher von Persönlichem. Die haptische, weiche Oberfläche weckt Berührungswünsche. Der Stoff von Kleidern ist in der Regel aus flexiblen, weichen Fasern, die sich dem Körper anpassen, ihn wärmen und verhüllen. Beim Trocknen nach dem Waschen bleiben diese Fasern teilweise im Flusensieb zurück und hinterlassen dort Spuren des alltäglichen Lebens. Die Flusen lassen jedoch nicht mehr erkennen, wie die gewaschenen Wäschestücke genau aussahen, sondern überlassen es dem Betrachter, sich eigene Gedanken über deren Ursprung zu machen. Es ist ein sehr intimes Material, da der Stoff jede Stelle des Körpers berührt haben könnte. Durch aufeinanderstapeln entsteht ein Objekt in Form eines Nestes, welches größenmäßig auf einen Menschen angepasst ist. Es kann die schützende Funktion, die ein Nest in der Natur hat, allerdings nicht erfüllen, da die Arbeit fragil und instabil ist, es gibt keinen festen Träger. Somit bleibt die Funktionalität des Nestes unerfüllt, sie existiert nur in der Vorstellung des Betrachters.

 

Auf dem Bild Verdichtung ist ein großer schwarzer Kreis, der das quatratische Format, in dem er mittig platziert ist, sprengt und die vier Bildseiten schneidet. Der Kreis ist mit schwarzem Fineliner gezeichnet und durch eine feingekringelte Struktur ausgefüllt. Der Blick soll sich in der Fläche verlieren, dadurch dass das Auge bei naher Betrachtung keinen festen Bezugspunkt findnet. Schaut man von weiter weg wirkt es, als dehne sich die Kreisform aus und wolle über das Papier hinaus. Eine Strecke, die der gezeichneten Linie, verdichtet sich durch komprimieren zu einer Fläche. Diese wiederum erzeugt durch die regelmäßige Struktur eine wabernde Oberfläche, welche den Kreis fast körperlich macht. Die Absurdität mit einem Fineliner eine derart große Fläche zu füllen, wofür der Fineliner ein eigentlich völlig ungeeignetes Werkzeug ist, hat mich gereizt. Während des gesamten Entstehungsprozesses war es immer ein sehr konzetriertes und ergebnissorientiertes Arbeiten, die Fertigstellung des Bildes war das klare Ziel. Jedoch spielte auch der Prozess eine immer größere Rolle, je länger die Arbeit dauerte. Hierdurch kam der Apekt der Zeit hinzu. Die Form des Kreises als geometrische Urform passt sich sowohl dem natürlichen Blickfeld des Brtrachters, wie auch der Form des Auges an. Außerdem ermöglicht sie eine Viezahl von Assoziationsmölichkeiten ohne etwas klar zu benennen. Die immer gleiche Wiederhohlung der Zeichenbewegung hat während des gesamten Herstellungsprozesses nie ihren Spaß daran verloren. Durch den langen Zeitraum entstand eine tiefere Beziehnung zu dieser Arbeit.

 

Die Zeichnung Innere Leere ist 215 x 148 cm groß und zeigt eine weiße Ellipse inmitten eines Gitters aus Kreisen, die mit schwarzer Tusche gezeichnet sind. Die Ellipse entsteht dadurch, dass eben nichts da ist außer Leere. Sie ist 1,70 m hoch, so groß wie ich selbst, und 1,05 m breit, was der Höhe bis zu meinem Bauchnabel entspricht. Die Kreise, hier mit einem jeweiligen Radius von 2,5 mm, als einfachste und zugleich perfekteste aller geometrischen Formen wiederholen sich zehntausendfach außerhalb der Ellipse und formen eine Art Netzgitter, einen grafischen Teppich. Durch das Zeichnen jedes einzelnen Kreises per Hand, ein langwieriger, disziplinierter und zutiefst meditativer Vorgang, entstehen immer kleine Unregelmäßigkeiten und die äußere Struktur beginnt zu pulsieren. Unregelmäßigkeiten werden bis zu einem gewissen Punkt zugelassen, sind sogar erwünscht, solange sie wiederholt auftreten und somit zur Regelmäßigkeit werden. Die Ellipse ist für mich die "natürliche" Form des "geometrisch perfekten" Kreises. Form und Größe erinnern an einen Spiegel, in den der Betrachter schaut, der jedoch nur eine weiße Nichtform ist und kein Spiegelbild zurückwirft.

 

Da die meisten meiner Arbeiten sehr lange dauern, wirken sie auf ihre Art dem immer schneller und hektischer werdenden Leben in der heutigen Zeit entschleunigend entgegen. Der Prozess des Machens und Herstellens spielt eine wichtige Rolle in meiner künstlerischen Arbeit.